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Ausruhen is' nicht (Visions.de)

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Nach der Diskussion um ein deutsche Radioquote und der stetig wachsenden Popularität deutsch singender Bands und Künstler, melden sich nun eine Reihe Musiker zu Wort, die sich vom Trend distanzieren. Motto: »I can't relax in Deutschland«.

»Der Sampler ›I can't relax in Deutschland‹ soll Gegenpositionen zur momentanen deutschnationalen Selbstfindung bündeln und sichtbar machen, dass es tatsächlich sehr viele KünstlerInnen gibt, die sich nicht vor den deutschen Karren spannen lassen, sondern keinerlei positiven Deutschlandbezug haben und Popkultur nicht als national gewachsenes oder zu konstruierendes Kulturgut begreifen. Mit von der Party sind unter vielen anderen Mouse On Mars, Notwist, Tocotronic, Miss Kittin, Einstürzende Neubauten, Kante, Chicks On Speed etc. Den Sampler begleitet ein umfangreiches Booklet, in dem Kritik an derzeitigen kulturellen Nationalisierungsphänomenen formuliert wird und die verschiedenen Facetten von protektionistischer Standortlogik, modernisiertem Nationalismus und klitterndem Geschichtsrevisionismus beleuchtet werden«, heißt es in einer veröffentlichten Pressemitteilung.

Einen weiteren Samplerbeitrag werden auch Kettcar beisteuern, während in einem begleitenden Buch u.a. Beiträge von Martin Büsser und Roger Behrens zu lesen sein werden.

Zeitgleich zu der Independentmesse »PopUp« in Leipzig veranstaltet die Reihe am 21. Mai im ›Conne Island‹ eine Diskussionsveranstaltung zum Thema, an der neben Martin Büsser auch Elena Lange (Stella) teilnehmen wird. Anschließend werden Robocop Kraus, Von Spar und Räuberhöhle Konzerte spielen, bevor DJ Elena Lange den restlichen Abend musikalisch untermalt.

Die Motivation zum Engagement wird in der Pressemitteilung so dargestellt:

»Die (deutsche Kultur-)Nation startet durch – aufgeschlossen, entkrampft, relaxt. Mit oder ohne Radioquote boomt deutsche Musik, der deutsche Film illustriert konsequent die Geschichte des eigenen Leids, Deutsch-sein punktet als hipster aller Lifestyles, Trendfarben rot-grün. Das Nationalteam 1. FC Deutschland kommt zu sich und entdeckt das positive Wir-Gefühl nicht mehr nur aus einer Standortlogik als Erfolg versprechende Marketingstrategie heraus, sondern baut auch das neue Selbstbewusstsein als geläuterte Kulturnation auf ein stolzes Wir-sind-wieder-wer. Neben dem guten alten Konservatismus setzt sich dabei zunehmend eine vorpolitische Stimmungslage durch, in der sich Popkultur und ein modernes, unverkrampftes Heimatgefühl zu einem geläuterten deutschen Identitätsverständnis verbinden; immer bedacht auf ein positives Image im Ausland, schließlich will ›deutsch‹ ganz vorne mitspielen: wirtschaftlich, geo-strategisch und eben auch kulturell. Zu dieser kulturalistischen Nationalisierungstendenz ist seit dem Wegbruch der so genannten Poplinken kaum eine öffentliche Gegenstimme wahrnehmbar. Auch das Modell Indie als scheinbar bessere Kultursparte und mögliche Gegenpositionsplattform hat ausgedient, die Nationalisierung zieht sich quer durch alle, auch ehemals linke oder subkulturelle Genres und Kulturen.«

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